KÜNSTLER
31.3.1940 BIS 29.4.2026
Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod des Konzeptkünstlers Timm Ulrichs erfahren. Sein Werk hat die Kunstlandschaft über Jahrzehnte hinweg geprägt und weit über Hannover hinaus Maßstäbe gesetzt.
Das Sprengel Museum Hannover war ihm in besonderer Weise verbunden. Mit 64 Arbeiten in unserer Sammlung bewahren wir ein umfangreiches Zeugnis seines einzigartigen künstlerischen Denkens und Schaffens. Seine Werke fordern heraus, irritieren und regen zum Nachdenken an – und bleiben dabei stets unverwechselbar.
Mit der großen Doppelausstellung „Betreten der Ausstellung verboten! Timm Ulrichs. Werke von 1960–2010“ (27.11.2010–13.2.2011), die wir gemeinsam mit dem Kunstverein Hannover realisieren durften, gaben wir einen umfassenden Einblick in fünf Jahrzehnte seines Schaffens – von den 1960er Jahren bis 2010. Die Werkschau unterstrich eindrucksvoll seine Rolle als „Totalkünstler“ und seine konsequente Erweiterung des Kunstbegriffs.
Darüber hinaus war Timm Ulrichs zwischen 1987 und 2020 an insgesamt elf Gruppenausstellungen im Sprengel Museum Hannover beteiligt. Seine Arbeiten waren stets auch in unseren Sammlungspräsentationen präsent – von „130% Sprengel“ über „Elementarteile“ bis hin zur aktuellen Ausstellung „Mein lieber Schwan“, in der vier seiner Werke zu sehen sind.
Die thematische Bandbreite der Ausstellungen, in denen er vertreten war – von „absichtlich / zufällig. Kunst zwischen Kontrolle und Unberechenbarkeit“ über „Ruhige Momente. Interieurs und Stillleben aus der grafischen Sammlung“ und „Selbstsicht: Porträt-Identitäten“ bis hin zu „KunstLandschaft. Naturwelten in der Kunst seit 1950“ – verdeutlicht die Vielseitigkeit und Offenheit seines konzeptuellen Ansatzes.
Direktor Reinhard Spieler sagt: „Timm Ulrichs hat jeden Bauabschnitt des Sprengel Museums zur Eröffnung mit einer Performance begleitet – 1979, 1992 und 2015. Das Entrée des Museums wird im Foyer von seiner Arbeit „wir-kl-ich (Extraversion und Introversion)“ aus dem Jahr 1990 geprägt, und in der neuen Sammlungspräsentation ist er selbstverständlich vertreten. Sein Tod ist ein riesiger Verlust für Hannover: ein Künstler, an dem man sich reiben konnte, ein streitbarer Geist. Aus seiner Hassliebe zu Hannover, dem er Zeit seines Lebens treu geblieben ist, hat er immer wieder Inspiration und Energie für sein Werk gezogen. Wir sind sehr traurig – Timm Ulrichs’ Tod hinterlässt eine unersetzbare Lücke.“
Wir verneigen uns vor einem Künstler, der mit intellektueller Schärfe, Humor und radikaler Konsequenz neue Perspektiven eröffnet hat. Sein Werk bleibt – lebendig, herausfordernd und von bleibender Relevanz.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm verbunden waren.

