revonnaH. Kunst der Avantgarde in Hannover von 1912–1933


23. September 2017 – 07. Januar 2018
Sprengel Museum HannoverSprengel Museum Hannover
Der Merz-Künstler, Maler, Dichter und Werbegrafiker Kurt Schwitters erklärte zu seiner Wortschöpfung "revonnaH": „(…) liest man aber Hannover von hinten, so ergibt sich die Zusammenstellung dreier Worte: re von nah (…).“ Das Wort „re“ lässt sich mit „rückwärts“ übersetzen. So bedeutet  „revonnaH“: „Rückwärts von nah“. Und das stimmt insofern, als dass sich dann die Übersetzung des Wortes Hannover von vorn „vorwärts nach weit“ ergeben würde. Das heißt Hannover strebt vorwärts – und zwar ins Unermessliche.
 
Die höchst ambivalenten ‚Goldenen 20er-Jahre‘ mit all ihrem Glanz und Elend bildeten nicht nur in der Hauptstadt Berlin eine ebenso schillernde wie brüchige Folie für eine reiche Kunst- und Kulturszene. Auch in einer Provinzhauptstadt wie Hannover, politisch gesehen in den 1910er-Jahren in Aufbruchsstimmung, lebte in der folgenden Dekade zu einer „modernen Kunststadt“ auf.

Ein Museumsmann, nämlich der Direktor des Kestner-Museums, Albert Gideon Brinckmann, trat 1912 mit dem institutionellen Bestreben antrat, die eher konservative Provinzhauptstadt auf den Weg der künstlerischen Avantgarde zu bringen. Eine seiner ersten Erwerbungen: ein umfangreiches Konvolut grafischer Blätter von James Ensor, direkt vom Künstler. Damals war Ensor weitgehend unbekannt. Erstmalig in Deutschland fand 1913 dann in Hannover die erste Ausstellung des Künstlers statt. Nächste Erwerbungen waren Blätter von Edvard Munch und Emil Nolde. Auf Brinckmanns Initiative geht außerdem die Entstehung der Kestner-Gesellschaft zurück, 1916, mitten im Krieg.
 
Der Unternehmererbe Herbert von Garvens begann bereits vor dem Ersten Weltkrieg, zeitgenössische Kunst zu sammeln, und trug eine der reichsten und qualitätsvollsten modernen Kunstsammlung zusammen, deren Werke jetzt erstmals im Rahmen der Ausstellung wieder im Verbund zu sehen sind. Am Puls der Zeit waren auch private Unternehmer wie Fritz Beindorff (Pelikan) und Hermann Bahlsen, die für ihre moderne Werbegestaltung und Raumgestaltung auch bildende Künstler herangezogen, namentlich Kurt Schwitters und El Lissitzky - ein eigener Raum ist den Plakaten gewidmet. Ein privates Mäzenatentum erstreckte sich auch auf den Aufbau wiederum hochkarätiger Sammlungen: Durch Vater und Sohn Beindorff und auch den Schwiegersohn Hermann Bode entstanden umfangreiche Kunstsammlung mit Werken von u. a. Lissitzky, Feininiger, Kandinsky und Schwitters, aber auch die Expressionisten, Nolde, Schmidt-Rotluff und Heckel.
 
Kurt Schwitters zählt zu den wichtigsten Künstlern und umtriebigsten Netzwerkern der Weimarer Zeit und steht im Mittelpunkt der Moderne in Hannover. Vermittelt durch seine weltweiten Kontakte kamen Künstler wie El Lissitzky (Kabinett der Abstrakten), László MoholyNagy und Theo van Doesburg nach Hannover. Im Salon von Käte Steinitz trafen sich wichtige Künstler und Kunstschaffende der Zeit.
 
Im Provinzial-Museum (das heutige Niedersächsische Landesmuseum) revolutionierte Alexander Dorner als Direktor die Präsentation und Vermittlung von Kunst. Dorner beauftragte – mit finanzieller Unterstützung des Unternehmers Fritz Beindorff – den russischen Maler und Architekten El Lissitzky, eine zeitgemäße Raumgestaltung für die Präsentation der zeitgenössischen abstrakten Kunst zu entwerfen. Dessen 1927 eingerichtetes „Kabinett der Abstrakten“ gilt als einer der Höhepunkte der Kunst der 1920er-Jahre. Es ist im Sprengel Museum Hannover in der überarbeiteten Rekonstruktion dauerhaft zu sehen und zu begehen.
 
Aus der städtischen Kunstgewerbeschule heraus hatte sich mit Ernst Thoms, Grethe Jürgens, Gerta Overbeck, Erich Wegner u. a. eine ganz eigene, hannoversche Spielart der Neuen Sachlichkeit entwickelt. All diese über Hannover hinausreichenden Aktivtäten machten Hannover zu einem Knotenpunkt im Netzwerk der europäischen Kunstszene, die mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein jähes Ende fanden.
 
Gut 100 Jahre nach einer Zeitspanne, die eine der lebendigsten und fruchtbardsten Perioden im Kunst- und Kulturleben Hannovers umfasst, führt das Sprengel Museum Hannover die Geschichte dieser bewegten Jahre in 335 Werken von 96 Künstlern und Künstlerinnen vor Augen. Darunter sind Werke aus eigenem Bestand und hochkarätige Leihgaben.
 
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von namhaften Experten erschienen, der über die Ausstellung hinaus Themen wie Architektur, Film und Fotografie aufgreift und damit als Standardwerk dieser lebendigen Periode dienen soll.
 
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet.
 
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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