Das Glück der Erde … Zossen, Rösser, Pferde in der modernen Kunst


25. Januar 2017 – 23. April 2017
Sprengel Museum HannoverSprengel Museum Hannover
Der Ausstellungstitel zitiert das alte Sprichwort „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, das bereits zu seiner Entstehungszeit im 19. Jahrhundert einen sentimentalen Sehnsuchtsgedanken nach dem Natürlichen und Elementaren, zur kentaurenhaften Verbundenheit mit der Kreatur, ausdrückte.

Im bürgerlichen Zeitalter des 19. Jahrhunderts hatte das Pferd als adeliges Paradepferd und Repräsentationsobjekt zwar ausgedient, doch wurde es weiterhin benötigt als Zugpferd für die Postkutsche und Pferdestraßenbahn in den Städten, vor dem Pflug und dem Heuwagen. Neben Landwirtschaft und Stadt nutzt die Armee zu jener Zeit am stärksten das Pferd. Vor allem in den beiden Weltkriegen gab es trotz zunehmender Mechanisierung weiterhin enormen Pferdebedarf. Darüber hinaus boten nun bürgerliche Vergnügungen wie Pferderennen, Stierkampf (Pablo Picasso) und Zirkus (Fernand Léger) ein neues Betätigungsfeld für die künstlerische Pferdedarstellung.

Mit der weiteren Industrialisierung und dem Aufkommen von Elektrotram und Automobil noch vor dem Ersten Weltkrieg begann in den Großstädten jedoch das Zeitalter der „Entpferdung“ (Isaak Babel). Je mehr sich das reale Pferd aus der sich mechanisierenden Zivilisation entfernte, desto mehr gewann es an imaginärer und chimärischer Präsenz. In der Kunst des Expressionisten Franz Marc symbolisiert es abstrakte Ideen und Spiritualität. Im Mythos ist es ein Begleiter des Göttlichen, wie bei Georges Braque oder Ossip Zadkine, in Traum und Poesie wird es lebendige Metapher von Pathos, Erotik und Leidenschaft, wie bei Pablo Picasso, Marc Chagall und Max Ernst.

Die epochale Trennung von Mensch und Tier, das Ende des „kentaurischen Paktes“, wie Ulrich Raulff (2015) die Arbeits- und Lebensgemeinschaft von Mensch und Pferd nennt, wurde in den 1950er-Jahren vollzogen, als die letzten Arbeitspferde in der Landwirtschaft durch Traktoren ersetzt wurden. Geblieben ist die ästhetische Beglückung und Begeisterung durch den Adel, die Schönheit und Liebenswürdigkeit des Pferdes.

Die Ausstellung zeigt mit etwa 100 Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Gemälde und Skulpturen die Entwicklung der Pferdedarstellung seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute. Die Werke reichen von modernen Klassikern wie Marc Chagall, Franz Marc, Pablo Picasso, Emil Nolde oder Renée Sintenis, bis zu Nachkriegskünstlern und Zeitgenossen wie Marino Marini, Niki de Saint Phalle, Johannes Brus oder Anri Sala.

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